Brainwriting und die 6-3-5 Methode: Ideen systematisch entwickeln

Mit der 6-3-5 Methode entstehen in 30 Minuten bis zu 90 Ideen. Wie Brainwriting funktioniert und warum es für Gründer besonders wertvoll ist.

Viele Gründerinnen und Gründer kennen das Problem: Im Kopf schwirren Ideen, aber sobald man sie strukturiert aufschreiben soll, stockt der Gedankenfluss. Brainwriting – und insbesondere die bewährte 6-3-5 Methode – bietet hier einen eleganten Ausweg. Sie kombiniert die Kreativität des freien Denkens mit einer systematischen Struktur, die garantiert zu greifbaren Ergebnissen führt.

Was ist Brainwriting und wie funktioniert es?

Brainwriting ist eine strukturierte Kreativitätstechnik, die als stille Alternative zum klassischen Brainstorming entwickelt wurde. Während beim Brainstorming laut in der Gruppe diskutiert wird, schreibt beim Brainwriting jede teilnehmende Person ihre Ideen zunächst alleine auf – ohne Kommentare, ohne Unterbrechungen, ohne den sozialen Druck, der viele Menschen hemmt. Das Grundprinzip ist einfach: Jeder notiert seine Einfälle schriftlich, die Zettel oder Formulare werden weitergegeben, und die nächste Person baut auf den bereits vorhandenen Ideen auf oder entwickelt völlig neue Ansätze. Die 6-3-5 Methode ist die bekannteste und am weitesten verbreitete Form des Brainwritings. Der Name erklärt sich aus dem Ablauf: 6 Teilnehmende schreiben jeweils 3 Ideen auf ein Formular, und das Ganze wird 5 Mal wiederholt – also 5 Runden zu je 5 Minuten. Das Ergebnis: Im theoretischen Maximum entstehen 6 × 3 × 5 = 90 Ideen in nur 30 Minuten. In der Praxis sind viele dieser Ideen zwar ähnlich oder überschneiden sich, aber die Quantität und die gegenseitige Inspiration führen fast immer zu überraschend originellen Ansätzen, die im normalen Gespräch nie aufgetaucht wären. Der entscheidende Unterschied zum klassischen Brainstorming: Introvertierte Personen oder Menschen, die sich in Gruppen schwer durchsetzen können, kommen beim Brainwriting genauso gut zu Wort wie die redegewandten Stimmen. Jede Idee zählt gleich viel, weil keine Hierarchie oder Rhetorik die Wertung beeinflusst.

Die 6-3-5 Methode Schritt für Schritt angewendet

Für die Durchführung der 6-3-5 Methode benötigst du idealerweise sechs Personen – Mitgründerinnen, potenzielle Mitarbeitende, Freunde oder Bekannte, die dein Thema kennen. Geht es auch mit weniger Teilnehmenden? Ja, die Methode funktioniert auch zu dritt oder viert, verliert aber etwas von ihrer Wucht, weil die gegenseitige Inspiration sinkt. Notfalls lässt sich die Methode sogar solo anwenden: Du führst mehrere Runden mit dir selbst durch und zwingst dich, nach jeder Runde drei neue Ideen zu entwickeln – ohne die alten zu wiederholen. So läuft eine Sitzung ab: Zunächst wird die Fragestellung klar formuliert und für alle sichtbar notiert – zum Beispiel: „Welche Probleme könnten unsere Zielkunden haben, die wir lösen können?" Dann bekommt jede Person ein Formular mit sechs Zeilen und drei Spalten. In der ersten Runde füllt jeder in exakt fünf Minuten die oberste Zeile mit drei Ideen. Nach dem Zeitstop werden alle Formulare im Uhrzeigersinn weitergegeben. In der zweiten Runde liest man die Ideen der Vorgängerin oder des Vorgängers und füllt die zweite Zeile – entweder weiterentwickelnd oder völlig neu angesetzt. Nach fünf Runden liegen 30 ausgefüllte Zeilen vor. Anschließend werden die Ideen gesammelt, geclustert und bewertet. Wichtig: Während der Schreibphasen wird nicht gesprochen. Das ist die goldene Regel, die den Effekt sichert.

Typische Fehler und wie du sie vermeidest

Der häufigste Fehler bei der 6-3-5 Methode ist ein zu enger oder zu weiter Fragerahmen. Ist die Ausgangsfrage zu spezifisch – etwa „Welche Funktionen soll unser Dashboard haben?" –, laufen alle Ideen in dieselbe Richtung. Ist sie zu offen – „Was sollen wir gründen?" –, fehlt die nötige Fokussierung. Die beste Fragestellung bewegt sich in einem mittleren Konkretisierungsgrad: Sie gibt eine Richtung vor, lässt aber genug Spielraum für echte Kreativität. Ein zweiter häufiger Fehler ist das Kommentieren während der Schreibphasen. Auch ein zustimmendes Nicken oder ein skeptischer Blick können andere Teilnehmende beeinflussen. Deshalb gilt: absolute Stille während der Runden. Wer eine Idee zu kurz findet oder nicht versteht, schreibt trotzdem weiter – die Bewertung kommt später. Dritter Fehler: Die Ergebnisse werden nach der Sitzung nicht konsequent ausgewertet. Es reicht nicht, die Zettel am Ende des Meetings in eine Schublade zu stecken. Reserviere direkt im Anschluss mindestens 20 Minuten, um alle Ideen sichtbar zu machen – auf einem Whiteboard, einer Wand oder in einem gemeinsamen Dokument. Dann geclustert nach Themen, dann bewertet: Welche Ideen haben das höchste Potenzial? Welche lassen sich kombinieren? Welche sollten sofort verworfen werden? Viertens: Vergiss nicht, den Zeitdruck zu nutzen. Fünf Minuten klingen kurz, aber genau diese Enge zwingt das Gehirn, schnell und ohne zu filtern zu produzieren. Wer die Zeit verlängert, verliert oft den kreativen Impuls.

Brainwriting in deine Gründungsplanung integrieren

Als Gründerin oder Gründer begegnest du ständig Situationen, in denen strukturierte Kreativität Gold wert ist: bei der Ideenfindung für dein Geschäftsmodell, beim Entwickeln von Produktfeatures, bei der Namenssuche für dein Unternehmen oder beim Entwickeln von Marketingbotschaften. Für all diese Aufgaben eignet sich Brainwriting hervorragend. Beginne damit, die Methode zunächst solo auszuprobieren: Setze dir einen Timer auf fünf Minuten und schreibe ohne Unterbrechung so viele Ideen auf, wie dir zum Thema einfallen. Dann starte eine zweite Runde, in der du die bereits notierten Ideen weiterentwickelst. Wiederhole das dreimal. Du wirst überrascht sein, wie viele interessante Ansätze dabei entstehen. Wenn du dann ein kleines Team zusammenstellen kannst – sei es mit Mitgründerinnen, Beiräten oder auch Freunden, die neugierig auf dein Projekt sind –, wirst du mit der Gruppenvariante noch bessere Ergebnisse erzielen. Plane solche Kreativsessions regelmäßig ein, nicht nur am Anfang, sondern auch wenn du an einem konkreten Problem festhängst.

Fazit

Brainwriting und die 6-3-5 Methode sind mächtige Werkzeuge, die in keiner Gründungs-Toolbox fehlen sollten. Sie holen das Beste aus einer Gruppe heraus, ohne dass lautere Stimmen die Diskussion dominieren, und sie liefern in kurzer Zeit eine beeindruckende Menge an Ideen. Wer strukturiert gründen will, braucht strukturierte Kreativität – und genau das bietet diese Methode.

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